Die Partei wird erwachsen

Liebe Mitglieder der Deutschen Mitte.

Viele von uns sind zu eben der trüben, grauen Jahreszeit eingetreten, die auch jetzt wieder nahe legt, die Aktivitäten lieber nach innen zu verlagern und die kalten Winde einfach auszusperren.
Im Gegensatz zu den sich einfach stetig nach gleichem Muster wiederholenden Jahreszeiten, haben wir, die Mitglieder der Deutschen Mitte, in Jahresfrist einen gewaltigen Lernprozess durchlebt, der uns verändert hat.
Wir haben vor einem Jahr unmöglich geglaubtes geschafft. Aus eigener Kraft haben wir Infostände in die Fußgängerzonen gebracht, haben uns bundesweit organisiert, haben Unterstützerunterschriften gesammelt und gemeinsam einen ersten Wahlkampf geführt.
Wir haben uns als Partei im Schnelldurchlauf aus den Kinderschuhen lösen müssen, dann aber festgestellt, dass die immer wieder so fest versprochenen Siebenmeilenstiefel noch gar nicht passen wollen.

Ungeachtet der Tatsache, dass die Füße noch zu klein waren hat ein verantwortungsloser „Vater“ immer weitere und immer längere Wege gefordert, um sein eigenes Ziel zu erreichen.
Ob dieses jemals deckungsgleich mit unserem Ziel war, muss mittlerweile angezweifelt werden.
Hehre Versprechungen und in schillernden Farben gemalte Visionen erwiesen sich ein um das andere Mal als nicht der Wahrheit entsprechend. Im Angesicht zunehmender Erschöpfung wurde uns das Predigen von Wasser bei zeitgleichem Weinkonsum immer offensichtlicher.
Kein Kind mehr, aber noch nicht erwachsen, sind wir in die Pubertät gekommen. Eine Zeit voller Veränderung in der Autorität angezweifelt und vermeintlich feststehende Ansprüche hinterfragt werden. Für eine gesunde Entwicklung sogar hinterfragt werden müssen!
Genau diese Entwicklung nahm jetzt ihren Lauf.

Und da auf drängende Fragen keine befriedigenden Antworten gegeben werden konnten oder diese immer wieder verschoben wurden, sah sich Christoph Hörstel am Ende gezwungen zurückzutreten.
Verzweifelt hatte er zunächst noch versucht, sich der renitentesten Landesvorstände durch das Aufstellen falscher Behauptungen zu entledigen. Aber eben diese mittlerweile eindeutig als Willkür identifizierten Maßnahmen erzeugten noch mehr Opposition. Da er die wichtigsten Gremien, in denen sich entstehender Unmut normalerweise satzungsgemäß kanalisieren lässt, wohlweislich niemals geschaffen hatte, mussten andere Wege gefunden werden. Weil alle Versuche einer gütlichen Einigung der Landeschefs immer wieder im Sande verliefen, entschied man sich schließlich notgedrungen zu dem Treffen in Eberbach, von dem an anderer Stelle noch ausführlich zu berichten sein wird.

Tatsache ist aber, dass das überraschende Auftauchen des Bundesvorstandes an diesem Tag keineswegs ein plötzlicher Sinneswandel und die Bereitschaft zur Abgabe von Verantwortung war, sondern lediglich ein letzter Versuch das selbstständige Denken, das Hinterfragen der Strukturen und das Zusammentragen von Beweisen, das sich Bahn zu brechen drohte, doch noch unter Kontrolle zu bekommen.

Der Gedankenaustausch ermöglichte endlich hinter einen fein gewobenen Vorhang zu schauen und zu erkennen, auf welch umfassende Art unliebsame Ideen, kreative Ansätze und kontroverse Meinungen bisher durch das `System Hörstel` unterdrückt worden waren Das war weder mit unserer Satzung, noch mit unserem Programm und am allerwenigsten mit der Verantwortung gegenüber den Mitgliedern vereinbar. Daher entschlossen wir uns zum Widerstand.

Die Details dieses Widerstandes wurden Christoph Hörstel durch zwei anwesende Zuträger weiter geleitet und er erkannte die Aussichtslosigkeit weiterer Bemühungen.
Der Geist der Freiheit, der so lange mit Verweis auf bevorstehende Wahlen unterdrückt worden war, hatte sich Raum genommen und er ließ sich auch nicht mehr einfangen.
Wir sehen uns damit in guter Tradition von Querdenkern, Freigeistern und Aufklärern.
Wir haben die zugegebenermaßen selbstverschuldete Unmündigkeit, die das Vertrauen auf eine vermeintlich ethische Führungspersönlichkeit mit sich brachte, aus eigener Kraft überwunden.
Wir haben im Bewusstsein unserer eigenen Überzeugungen und Werte gehandelt und uns einem System widersetzt, das unsere eigene Begeisterung, unsere Opferbereitschaft und unsere Hingabe geschickt gegen uns gewandt hatte.
Wir haben uns weder unterdrücken, noch ausnutzen lassen.
Wir haben gezeigt, wie Basisdemokratie geht!
Wir haben Widerstand geleistet!
Und wer könnte das zukünftig glaubwürdiger von sich behaupten als wir?

Die vergangene Woche hat viele Austritte gesehen. Viele Menschen waren zu Recht irritiert von den undurchsichtigen Vorgängen an der Spitze. Wir haben aber auch sehr viel Zuspruch und Sympathie in den sozialen Medien erfahren. Einige Ehemalige bekunden unter den neuen Bedingungen wieder erstarktes Interesse und eine nicht unerhebliche Anzahl von Menschen hat sich durch die Ereignisse sogar zum Beitritt ermutigt gesehen.
Die letzten Tage haben aber vor allem auch die Geschlossenheit der Deutschen Mitte gesehen und ein regelrecht erleichtertes Aufatmen.
Wir haben uns in einem natürlichen Prozess getrennt und gehen frohen Mutes, denn wir stehen im Gegensatz zu unserem bisherigen Begleiter am Ende unseres Anfangs.
Wir sind jetzt erwachsen.
Das bringt Verantwortung und völlig neue Aufgaben mit sich, aber die damit ebenfalls einhergehende Aufbruchsstimmung ist regelrecht greifbar. Wir sind eine junge Bewegung und wir stehen voller Tatendrang und jugendlichem Ungestüm am Beginn eines neuen Abschnittes. Und wir freuen uns darauf.

Es erscheint uns zu früh, zu diesem Zeitpunkt Dinge zu veröffentlichen, die zwar sicherlich im Raum stehen, jedoch einer sorgfältigen Prüfung bedürfen. Wir bitten, das nicht als den Versuch der Vertuschung zu sehen. Die Zeiten von Vertuschung und Verdunklung sind in der Deutschen Mitte endgültig Geschichte! Aber wir fühlen uns zunächst dem Schutz einzelner Personen verpflichtet, auch wenn diese nicht (mehr) der Partei angehören.
Momentan verdichten sich bisherige Vermutungen zäh zu konkreten Eindrücken. Aber erst Recherche und Beweise machen sie zu Tatsachen, über die wir schnellstmöglich offen und transparent berichten werden. Bis dahin bitten wir Sie um die nötige Geduld und Ihr Verständnis.

Ihr Norman Golisz
Bundesgeneralsekretär

 

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