Ist Hermann Gröhe stolz darauf, dass die Deutschen immer kränker werden?

Dass uns ein fehlprogrammiertes Geldsystem einen immerwährenden wirtschaftlichen Wachstumszwang beschert, ist den Mitgliedern und Freunden der Deutschen Mitte nichts Neues. Doch es gibt einen Wirtschaftsbereich, der wesentlich schneller wächst als der Rest: Der Gesundheitsmarkt. Der Preis für dieses Wachstum ist jedoch zu hoch. Hermann Gröhe findet das in Ordnung.

In der FAZ vom 8. Januar 2017 (S. 18) erläutert Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) der interessierten Öffentlichkeit die Vorteile und Herausforderung des gläsernen Patienten. Nein, so nennt er das natürlich nicht, sondern „Digitalisierung des Gesundheitswesens“. Ein wesentlicher Vorteil der digitalen Datenübertragung sei der Datenschutz im Vergleich zu 5 Milliarden Behandlungsdokumenten, die jährlich im Gesundheitswesen per Post oder Fax bewegt werden.

Gröhes digitalisiertes GesundheitswesenNun ja, wenn jemand meine intimsten gesundheitlichen Daten wissen will, muss er künftig nicht mehr die richtigen Faxleitungen abhören und das Postgeheimnis umgehen, sondern hat alle Daten gesammelt an einem Platz. Da braucht es nur noch einen fähigen Hacker – und über solche verfügen die Datensammel-Junkies interessierter Regierungs- und Industriekreise allemal. Wobei die Dienste unseres eigenen Staates natürlich keine Hacker benötigen, da sie über offizielle Kanäle verfügen, wenn sie sich einen bestimmten Bürger einmal genauer betrachten wollen.

Sicherer fühle ich mich durch die Digitalisierung nicht. Nein, im Gegenteil, ich fühle mich gläsern. Ich möchte, dass meine intimen gesundheitlichen Daten bei mir bleiben – und bei dem Arzt oder Heilpraktiker meines Vertrauens.

Doch das digitalisierte Gesundheitswesen ist ein Wachstumsmarkt. Während derzeit weltweit etwa 80 Mrd. USD in diesem Bereich umgesetzt werden, sollen es 2020 bereits mehr als 200 Mrd. USD sein. Gröhe dazu wörtlich:

Hermann Gröhe, Gesundheitsminister der BRD 2017„Wir müssen alle Kräfte bündeln und Hemmnisse für die Entwicklung und Nutzung der neuen Möglichkeiten abbauen. Wenn wir bei dieser Entwicklung ganz vorne mit dabei sind, können wir sicherstellen, dass die Menschen in Deutschland auch in Zukunft schnellen Zugang zum medizinischen Fortschritt haben.“

Und was hat uns dieser medizinische Fortschritt bisher gebracht, außer immer mehr Kosten? Ein Beispiel: Die Hälfte aller Menschen stirbt im Krankenhaus und wird dort in aller Regel mit Maximalversorgung betreut. Doch nur 3 % der Befragten wünschen sich das. 97 % möchten in ihrer gewohnten Umgebung und friedlich im Kreise ihrer Lieben sterben!

Aber: Mehr als ein Drittel der Lebenszeitkosten für einen Krankenversicherten fallen während der letzten 12 Lebensmonate an – meistens ohne Einverständnis der Patienten!

Es ist doch merkwürdig: Ständig klopfen sich unsere Gesundheitspolitiker selbst und gegenseitig auf die Schultern, wie toll und effektiv unser Gesundheitssystem sei. Doch wenn das wirklich so wäre – warum werden die Menschen dann nicht jedes Jahr gesünder? Warum SINKEN die Gesundheitsausgaben dann nicht jedes Jahr? Stattdessen haben sie sich von 1992 bis 2014 verdoppelt:

Kostensteigerung im Gesundheitswesen

Grafik: Hans U. P. Tolzin

Wenn Hermann Gröhe also so begeistert davon ist, dass die Ausgaben im Gesundheitswesen ständig steigen, dann ist er also indirekt davon begeistert, dass die Menschen in Deutschland immer kränker werden und dass ihre Wünsche immer mehr von den Ärzten missachtet werden.

Finden SIE, lieber Leser, das in Ordnung? Die Prioritäten der derzeitigen Gesundheitspolitik sind falsch gesetzt. Konkreter gesagt: Die Anreize für die Ärzte sind falsch gesetzt.

Die Deutsche Mitte wird das ändern. Aber nur, wenn Sie uns durch Mitgliedschaft und Mitmachen, durch Spenden und dem Kreuz auf dem Wahlzettel unterstützen!

von Hans U. P. Tolzin,
gesundheitspolitischer Sprecher der Deutschen Mitte