„Frieda“: Interview mit Hans Tolzin, gesundheitspolitischer DM-Sprecher

Ethik in der Politik?

Vor einer Weile stolperte FRIEDA über eine neue Partei, in deren Programm ethische Grundsätze einen hohen Stellenwert haben sollen. „Dass die damit durchkommen, glauben die doch wohl selbst nicht“, war FRIEDAs erster Gedanke, aber die Neugier siegte und ein Blick ins Parteiprogramm sorgte schließlich für Erstaunen. Vorweg: In so ziemlich jeder Partei dürfte es integre Menschen geben, Politiker, die sich an Wahlversprechen halten oder das zumindest versuchen, aber ab einer gewissen Position in der Hierarchie scheint es dann doch immer wieder so zu sein, dass die einst hohen Ideale an der Garderobe abgegeben wurden. Nicht alle Abgeordneten sind so, aber Macht scheint Menschen zu verändern und das wohl besonders auch in der Politik. Sicherlich ist es aber oft nicht nur die Machtposition, die Menschen abstumpfen lässt. Manchen sind schlichtweg auch die Hände gebunden, weil sie es eben mit Interessengruppen zu tun haben, gegen die sie als Einzelne wenig ausrichten können, besonders dann nicht mehr, wenn die Parteispitze andere Wege geht. Wer nicht mit den Wölfen heult, läuft dann auch noch Gefahr, medienwirksam verunglimpft zu werden.

Die Betreiberin dieser Seite ist eine, die in jungen Jahren die GRÜNEN, später die LINKEN gewählt hat, einmal sogar die Piraten, und zwischendurch auch mal – wegen Martin Sonneborn – mit „Die Partei“ sympathisierte, sich vorübergehend für die Partei der Vernunft engagierte, und eine, die inzwischen gar nicht mehr wirklich weiß, ob es überhaupt noch eine Partei wert ist, die „Stimme an der Urne“ einzusacken. Das Programm dieser neuen Partei, die sich „Deutsche Mitte“ nennt, weckte zumindest FRIEDAs Interesse und zwar zunächst losgelöst von der Figur Christoph Hörstel, dem Parteivorsitzenden. Eine Partei, die sich weder das linke noch das rechte Gewand umhängt, ist zumindest etwas, das man sich – wenngleich mit der gebotenen Skepsis – näher ansehen sollte. Und dass Populismus nur spaltet und eine Kommunikation „auf Augenhöhe“ nahezu unmöglich macht, zeigt ja gerade mal wieder die Gegenwart. Die Suchmaschinen informieren über Hörstel auf unterschiedliche Weise. Der Mann ist umstritten. Aber was heißt das schon?

Ins Leben gerufen hat die „Deutsche Mitte“ also dieser Christoph Hörstel. Der 1956 in Bremen geborene Journalist berichtete von 1985 bis 1999 unter anderem für die ARD als Sonderkorrespondent. 2012 war Hörstel Berater der „Arbeitsgruppe Friedenspolitik“ der Piratenpartei, ein Jahr später gründete er die Partei „Neue Mitte“ und inzwischen die „Deutsche Mitte“. Hörstel hat mehrere Bücher geschrieben, darunter „Sprengsatz Afghanistan. Die Bundeswehr in tödlicher Mission“, „Brennpunkt Palästina: Entscheidung über Krieg und Frieden“, „Brandherd Pakistan: Wie der Terrorkrieg nach Deutschland kommt“, „Afghanistan Pakistan: NATO am Wendepunkt“. Zumindest scheint so einer kein unbeschriebenes Blatt in Sachen Politik zu sein.

Mit dem Appell „Ethik in die Politik“ macht die Deutsche Mitte (DM) nun also auf sich aufmerksam und auch mit einem Parteiprogramm, das auf den ersten Blick beispiellos erscheint, was die Interessen der Bürger/innen und vor allem eine nachhaltige Friedenspolitik angeht. „Wollen wir doch mal gucken, was die Deutsche Mitte gesundheitspolitisch so zu bieten hat“, dachte FRIEDA und fand dabei tatsächlich diese Versprechen: „Die Deutsche Mitte fördert ganzheitliche Heilkunde und alternative Medizin. Überteuerte Kartellmedizin wird durch wirkungsvollere, höherwertige und preisgünstigere natürliche Methoden ersetzt. Aufbau ganzheitlicher Gesundheitszentren und Förderung von Solidargemeinschaften und alternativer Absicherungen im Krankheitsfall mit dem Recht auf freie Therapiewahl. Reform und Weiterentwicklung des Nahrungsmittelstandards Codex Alimentarius  zur nachhaltigen und ökologischen Ausrichtung. Kritischer Umgang mit Impfungen, vor allem bei Kindern, Antibiotika, Chemotherapie, Quecksilber (Amalgam-Zahnfüllungen!) und Aluminium. Strengere Grenzwerte für Elektrosmog und Radioaktivität. In die notwendige Forschung, Standardisierung und überfällige Gesamtreform wird zügig und kräftig investiert, insbesondere auch in der Wissenschaft. Der Einfluss weniger Pharma-Riesen wird ebenso zurückgedrängt wie die Profitgier im Gesundheitswesen. Endlich bessere Bezahlung für Pflegeberufe und Hebammen!“ Das alles sind sicherlich Anliegen, die sinnvoll erscheinen. Aber lassen sie sich überhaupt realisieren? Und ist Christoph Hörstel womöglich ein Blender, der den Zeitgeist geschickt für sich zu nutzen weiß?

FRIEDA wollte es genauer wissen und sprach mit Hans Tolzin. Der Medizinjournalist und Sachbuchautor ist seit Jahren im Bereich gesundheitlicher Aufklärung engagiert unterwegs, betreibt das Portal impf-report und ist Herausgeber des gleichnamigen Magazins. Und: Hans Tolzin ist neuerdings gesundheitspolitischer Sprecher für die DM.

(c) Hans Tolzin

FRIEDA: Hans, deine Berufung in die Politik und deine Zustimmung dazu wirkte auf den ersten Blick überraschend. Was hat dich überzeugt, dieses Amt zu übernehmen?

Hans Tolzin: Zum einen die Dringlichkeit. Die Bundesrepublik Deutschland wird Jahr um Jahr mehr zu einem totalitären Überwachungsstaat, der seinen Bürgern nicht vertraut und sie zunehmend bevormundet. Gerade im Bereich der Impfentscheidung, die ja mein zentrales Thema der letzten Jahre war, ist dies deutlich zu spüren. Die Kontrolle durch den Staat scheint immer extremer zu werden und gleichzeitig sah ich keine realistische Möglichkeit, neben der Aufklärungsarbeit aktiv etwas zu einer politischen Veränderung beizutragen. Was mich nicht wenig frustrierte. Wie so viele war auch ich von den Parteien enttäuscht – von den Altparteien sowieso – und ebenso von neueren Parteien, von denen einige sehr gute Ansätze haben, wie z. B. die Violetten, die Piraten, die ÖDP oder die PDV: Entweder werden sie sehr schnell von Lobbyisten und Karrieristen unterwandert, zerstreiten sich untereinander oder sie zeigen keinen ernsthaften Willen, in den Bundestag einzuziehen. Die von mir empfundene Dringlichkeit bezieht sich aber auch auf die internationale Situation. Ich habe das Gefühl, dass wir auf einen Krieg in Europa zusteuern, dass unsere Politiker dabei eine unrühmliche Rolle spielen und dass sich unbedingt JETZT etwas ändern muss, um das Schlimmste zu verhindern.

Dann wurde ich Anfang Dezember 2016 auf Christoph Hörstel und die DM aufmerksam: Ein offensichtlich kompetenter Vorsitzender mit sehr klaren Aussagen zu den tatsächlichen Machtverhältnissen auf unserem Planeten und den Strategien der Kartelle – und ein Parteiprogramm, das im Grunde keine Wünsche offenlässt. Ich suchte nach dem Haken bei der Sache und konnte erstmal keinen entdecken. Also musste ich Mitglied werden, um entweder doch noch den Haken – oder aber endlich meine politische Heimat zu finden. Ich kam dann recht schnell in Kontakt mit Christoph Hörstel und es stellte sich heraus, dass er meine Aufklärungsarbeit kennt und sehr schätzt. Da ich mich schon seit Jahren damit beschäftige, wie eine echte Gesundheitsreform aussehen müsste, und die gesundheitspolitischen Ansichten Hörstels mit meinen eigenen weitestgehend übereinstimmten, bot er mir die Position des gesundheitspolitischen Sprechers an – und ich bin einfach nur begeistert davon, endlich ein Forum für meine Ideen zu haben, mit der Aussicht, sie vielleicht sogar noch zu Lebzeiten in die Realität umgesetzt zu sehen.

FRIEDA: Soweit ich das bis jetzt verstanden habe, lässt sich die DM weder links noch rechts einordnen und bietet auf der Basis des Grundgesetzes Lösungen an, die schrittweise umgesetzt werden können, ist also demnach weit entfernt von irgendwelchen Reichsbürgerideologien, was ja schon mal aufatmen lässt. Aber die Kartelle, Konzerne und somit auch die Lobbyisten, also Leute, denen das Gemeinwohl egal ist, solange ihre Kasse klingelt, existieren ja nun einmal. Und neue Parteien, die nicht establishmentkonform sind, werden erfahrungsgemäß schnell unterwandert. Ist das nicht ein erneuter Kampf zwischen David und Goliath oder anders gefragt: Welche besondere Chance hat die DM deiner Meinung nach?

Hans Tolzin: Ich verstehe, was du meinst. Die mögliche Unterwanderung unserer Partei durch Lobbyisten und Karrieristen ist auch eine meiner Sorgen. Tatsächlich ist dies auch in der „Neuen Mitte“, der Partei, die Hörstel kurz vor der „Deutschen Mitte“ gegründet hatte, geschehen. Er hat daraus gelernt und versucht mit der Satzung der DM einer Wiederholung vorzubeugen. So betont Hörstel immer wieder, dass, wer nicht völlig mit dem Programm übereinstimme, besser gar nicht erst Mitglied werden solle. Damit sollen innerparteiliche zeit- und energieraubende Richtungskämpfe verhindert werden und Lobbyisten gar nicht erst den Fuß auf den Boden bekommen.

Eine Garantie ist das natürlich nicht. Wichtig ist, dass die Organisation von oben her „sauber“ ist und dass in allen Kreis- und Ortsverbänden genügend wache Mitglieder darauf achten, dass Unruhestifter schnell erkannt und ermuntert werden, die Partei wieder zu verlassen. Ob das funktioniert, werden wir sehen – es mit den guten Leuten, die wir bereits jetzt schon haben, nicht wenigstens zu versuchen, ist für mich keine Option. Eine politische Wende ist alternativlos.

Welche reellen Chancen die DM hat, in den Bundestag einzuziehen? Da sie sich von allen anderen Parteien deutlich abhebt und immer mehr Menschen das Spiel der Kartelle durchschauen, kann man nicht ausschließen, dass wir es tatsächlich schaffen. Es gibt keine echten Erfahrungswerte. Deshalb ist alles möglich.

FRIEDA: Sicherlich sind viele Menschen der Ansicht, dass jeder Mensch selbst entscheiden sollte, ob er sich oder seine Kinder impfen lassen will oder nicht. Wer sich gegen Impfungen entscheidet, dürfte dafür Gründe haben, die es zu respektieren gilt in einer Demokratie genauso wie jene, die impfen lassen wollen, ihre Gründe dafür haben. Mit der Entscheidung, dich zum gesundheitspolitischen Sprecher zu ernennen, setzt Christoph Hörstel ein Signal, aber womöglich eines, das missverstanden werden kann, denn die Diskussion rund um das Thema Impfen ist ja ebenfalls eine sehr polarisierte. Hörstel dürfte doch wissen, dass die Impfbefürworter, egal, aus welchen Lagern sie stammen, gleich abwinken, wenn sie sehen, dass ein erklärter Impfkritiker nun gesundheitspolitischer Sprecher einer neuen Partei ist, die ohnehin kaum jemand kennt. Wie will die DM denn überhaupt gerade auch Ärzte und Krankenversicherungen für sich gewinnen?

Hans Tolzin: Natürlich gibt es die unterschiedlichsten Meinungen über die Ursachen von Krankheiten und die „richtige“ Therapie oder Vorsorge wie das Impfen. Aber die zentralen Fragen dabei sind doch: Darf der Staat hier überhaupt Partei ergreifen – oder muss er es womöglich? Oder sollte der Staat die Bürger als mündige Wesen behandeln und ihnen die Entscheidung über ihre Gesundheit weitestgehend selbst überlassen? Oder aber sollte er auf eine „akademische Elite“ vertrauen, die besser zu wissen glaubt, was für die „Unwissenden“ gut ist? Beides birgt Risiken. Überlassen wir dem Menschen die freie Entscheidung, welcher medizinischen Lehrmeinung und welcher Art von Therapeut er vertraut, könnte er eine falsche Entscheidung treffen und vielleicht gar nicht oder langsamer gesund werden oder gar sterben.

Übergeben wir jedoch einer „Elite“ weitreichende Entscheidungsbefugnis, haben wir ebenso ein gewisses Risiko auf Irrtum. Auch eine so genannte Elite kann sich irren oder aus Interessenkonflikten heraus entscheiden. Selbst wenn ihre Entscheidungen grundsätzlich gut wären – träfe das automatisch für alle Menschen zu? Können wir die Menschen überhaupt über einen Kamm scheren? Rudolf Steiner, dessen soziale Dreigliederung für das Gesundheitsprogramm der DM eine wichtige Orientierung darstellt, ordnet das Gesundheitsthema der „Freiheit“ zu. Aus meiner Sicht und aus Sicht der DM ist Gesundheit etwas völlig Individuelles; auch die Therapeut-Patienten-Beziehung und der Genesungsprozess sind demnach etwas Individuelles, denn sie setzen Vertrauen voraus. Und Vertrauen kann man ebenso wenig „von oben“ anordnen wie die Liebe.

Doch selbst dann, wenn wir annehmen, die Mehrheit der Deutschen wäre unwissend, unmündig, unreif, naiv oder irregeleitet, wird eine staatliche Bevormundung diesen Zustand eher zementieren als ändern. Reifungsprozesse und das Erwachsenwerden setzen Erfahrung voraus, und Erfahrung entsteht aus getroffenen Entscheidungen und der Konfrontation mit den Konsequenzen – seien sie nun positiv oder negativ. Wenn wir mündige Bürger wollen – und die DM will das unbedingt – dann müssen wir sie auch wie mündige Bürger behandeln, ihnen Eigenverantwortlichkeit und Entscheidungsfreiheit zugestehen. Wir müssen zudem die einseitige kartellgesteuerte Informationspolitik der Regierung beenden und objektive Informationsquellen fördern, so dass sich die Menschen umfassend und möglichst unbeeinflusst über die medizinischen Möglichkeiten informieren können.

Sollte die DM eines Tages das Gesundheitsministerium oder gar die Regierung übernehmen, werden wir unser Gesundheitsprogramm 1:1 umsetzen. Das ist ein Versprechen, das Christoph Hörstel wiederholt öffentlich gegeben hat und auf das auch die DM-Mitglieder zählen. Dies bedeutet, dass wir, um eine echte Therapiefreiheit zu erreichen, die rechtliche und finanzielle Chancengleichheit der Lehrmeinungen und Methoden herstellen werden.

Ein weiterer Punkt: Aufgrund der Verzerrungen, unter denen unser Gesundheitssystem wegen der Kartelleinflüsse derzeit noch leidet, werden wir die Zulassungen von synthetischen oder denaturierten Medikamenten und Verfahren künftig wesentlich strenger fassen müssen: Notwendigkeit, Wirksamkeit und Sicherheit müssen nachvollziehbarer und für die interessierte Öffentlichkeit völlig transparent belegt werden. Sonst wird es keine Zulassung geben. Wir werden der Pharmaindustrie hierfür eine Frist einräumen, die ihr die Möglichkeit gibt, umzudenken und sich neu zu positionieren.

D. h. über Jahre hinweg wird weiterhin jeder Krebspatient, der dies möchte, seine Chemotherapie bekommen, wenn er zu einem entsprechenden Arzt geht und seine Kasse dies erstattet. Er hat aber gleichzeitig die Wahl, sich für den naturheilkundlichen oder anderweitig alternativen Weg zu entscheiden – wenn er einen Therapeuten findet, der dies anbietet und seine Kasse dies bezahlt.

Damit dies möglich ist, werden wir die Krankenversicherung von den staatlichen Vorschriften befreien, was sie erstatten muss oder erstatten darf. Nur so werden wir Therapiefreiheit erreichen. Was die Kassenärzte angeht, werden sie von einem völlig aus dem Ruder gelaufenen Abrechnungssystem zu Opfern gemacht und gleichzeitig gezwungen, den Patienten gegenüber wie Täter zu handeln. Ich sehe nicht ein, warum Kassenärzte ihren Zeitaufwand nicht ähnlich abrechnen können sollen wie Privatärzte und Heilpraktiker. Die kassenärztlichen Verrechnungsstellen halte ich für völlig überflüssig.

FRIEDA: Das klingt insgesamt plausibel und dürfte sicherlich bei vielen Menschen auf Gegenliebe stoßen. Ein integrer Therapeut, egal ob Arzt oder Heilpraktiker, dürfte zudem selbst ein Interesse daran haben, eigenverantwortliche Menschen zu therapieren bzw. sie in ihrem Genesungsprozess zu begleiten. Als gesundheitspolitischer Sprecher bist du nun in erster Linie ja für den Bereich Gesundheitsreform zuständig. Sieht man sich das Parteiprogramm der DM an, erscheint es so, dass sie mit ihrem „Mittelweg“ einen tatsächlich nachhaltigen und lösungsorientierten Weg anstrebt, der vielleicht nicht abrupt, aber vielleicht sukzessive umsetzbar sein könnte. „Menschen helfen statt Migration fördern“, „Friedensvertrag, Souveränität und neue Verfassung“, „Mehr direkte Demokratie“, „Demokratie, Mensch und Natur schützen – TTIP, CETA, TISA neu und offen verhandeln“, „Schuldgeld abschaffen“, „Raus aus dem Euro – Sparguthaben retten“ – das alles dürfte die breite Bevölkerung ansprechen. Alles in allem klingt das aber doch recht utopisch und beinahe zu blauäugig. Wieso bringt Christoph Hörstel sich denn nicht bei einer der bereits etablierten Parteien mit seinen Reformideen ein, wenn er so viele Ideen für eine bessere Welt hat?

Hans Tolzin: Es reicht nicht, wenn dieser oder jener Programmpunkt einer bestehenden Partei richtig gut ist. Wenn die ganze Kraft für Richtungskämpfe draufgeht, um alles das, was dir wichtig und richtig erscheint, einzubringen, bleibt keine Energie mehr für die tatsächliche Umsetzung übrig. Mir persönlich ist meine Zeit dafür echt zu schade. Dazu kommt, dass ich den tatsächlichen Willen, in den Bundestag einzuziehen, bei den kleinen Parteien nicht sehe, die diesen oder jenen guten Ansatz haben. Zum Thema Gesundheit stehen dort auch nach Jahren immer noch unkonkrete Allgemeinplätze. Das zeigt mir, dass sie gar nicht (mehr?) damit rechnen, die 5-Prozent-Hürde zu überschreiten.

Hörstel dagegen war begeistert von den Ideen, die ich im Intranet von DM geäußert habe und hat mich gleich gefragt, ob ich die weitere Ausarbeitung des Gesundheitsprogramms übernehmen möchte. Das hat mir seine Entschlossenheit gezeigt, nicht nur zu reden und zu kandidieren, sondern auch tatsächlich umzusetzen.

Was mir bei der DM auch gefällt, ist, dass die wahren Ursachen von Christoph Hörstel und vom Programm der DM offen und direkt angesprochen werden. Da wird nicht rumgeeiert. Da werden die völkerrechtswidrigen Überfälle der NATO auf unbotmäßige Länder beim Namen genannt, die völlig perverse Geldschöpfung durch private Banken statt durch den Staat, die Unterdrückung von Technologien, die ein Ende der Abhängigkeit von Energiekartellen bedeuten würden – und eben ein völlig krankes Gesundheitssystem, das diesen Namen nicht verdient. Und da werden vor allem die perfiden Strategien, Menschen gegeneinander aufzuhetzen und sie so gegeneinander auszuspielen, aufgedeckt. Das hat mich eigentlich bei Hörstel am meisten beeindruckt. Es hat mich auf diese Weise davon überzeugt, dass er es ehrlich meint, dass er beabsichtigt, dieses Spiel nicht mehr mitzuspielen.

Natürlich sind diese Themen für einen Großteil der Bevölkerung erstmal ein Schock, denn bisher wurde uns über die Massenmedien ein völlig verzerrtes Bild über die Welt vermittelt. Doch wir stehen vor enormen Krisen, wenn sich nicht Gravierendes ändert. Meiner – subjektiven – Beobachtung nach wächst die Zahl der Menschen, die dies ebenso sehen und die das falsche Spiel der Kartelle und ihrer Marionetten durchschaut haben, Tag für Tag.

Würden wir als DM all diese Menschen bis zur Bundestagswahl im Sept. 2017 erreichen und es schaffen, dass sie sich die DM einfach mal näher anschauen, wäre die Überschreitung der 5-Prozent-Hürde, um in den Bundestag einziehen zu können, ein Klacks. Aber wir haben nun mal leider die Mainstream-Medien gegen uns, und sind deshalb auf Mund-zu-Mund-Propaganda und auf das Internet angewiesen.

Und ja: Die Zeit ist reif, sie ist sogar überreif. Das Versprechen der DM, sich selbst und dem eigenen Programm unbedingt treu zu bleiben, auch wenn sie in den Bundestag einzieht, steht und wartet darauf, eingelöst zu werden. Es muss sich etwas ändern, und wenn nicht mit der DM, mit wem dann?

FRIEDA: Eine Frage noch zum Parteipunkt „Friedensvertrag, Souveränität, neue Verfassung“. Viele sagen ja, darunter auch Gregor Gysi, dass es noch immer keinen Friedensvertrag für Deutschland gibt und dass die BRD kein souveräner Staat sei. Sigmar Gabriel sagte sogar öffentlich, Frau Merkel sei die Geschäftsführerin einer Nichtregierungsorganisation, was ihm im Parlament Applaus einbrachte. In Sendungen wie „Neues aus der Anstalt“ werden ähnliche Informationen übermittelt. Prominente aus den Bereichen Satire und Kabarett, wie Volker Pispers und Lisa Fitz, machen auch keinen Hehl aus all dem. Aber irgendwie scheinen diese offenkundigen Fakten beim Volk nicht anzukommen. Ist Hörstel daher allen Ernstes der Ansicht, dass eine noch unbekannte Partei ein derart profundes Umstrukturierungsprogramm realisieren könnte? Leidet der Mann gar an Realitätsverlust oder woraus schöpft er seine augenscheinliche Zuversicht?

Hans Tolzin: Dazu sollte sich am besten jeder selbst eine Meinung bilden. Jede Reise zu einem lohnenswerten Ziel beginnt mit dem ersten Schritt, und wenn wir die Politik in Deutschland verändern wollen, müssen wir erstmal eine Partei gründen, danach genügend Mitglieder finden, uns danach zur Wahl stellen, dann erstmals die 5 % überschreiten und so weiter und so fort. Die Frage ist nicht, ob Hörstel an Realitätsverlust leidet, sondern ob das Ziel die Mühe wert ist und ob er und die Partei die Ausdauer haben werden, einen Schritt nach dem anderen zu gehen, bis das Ziel erreicht ist. Wer bereits im Vorfeld aufgibt, weil der erste Schritt nicht gleich zum Ziel führt, dem sind seine Grundrechte offenbar nicht wichtig genug, und diese Leute möchte ich, ehrlich gesagt, auch gar nicht ansprechen.

Zur Frage der Souveränität hat Christoph Hörstel übrigens etwas gesagt, was ich sehr gut fand: Souveränität ist nicht etwas, was man sich schenken lässt oder um das man bittet. Souveränität muss man sich nehmen. Souverän handeln kann man im Prinzip auch ohne Friedensvertrag. Souverän handeln bedeutet für mich, im Sinne des Allgemeinwohls zu handeln. Und dem deutschen Allgemeinwohl dient selbstverständlich und ohne jeden Zweifel ein freundschaftliches oder gar brüderliches Verhältnis mit den Nachbarvölkern: zum gegenseitigen Nutzen und auf gleicher Augenhöhe. Dazu gehören nicht nur äußerer Frieden und lebhafter Handel, sondern natürlich auch die entsprechenden völkerrechtlichen Verträge. Es wird die Zeit kommen, da werden sich die Parteigänger der Kartelle, die von Streit und Zwietracht profitieren, durch ihr Verhalten für die ganze Welt sichtbar als das outen, was sie sind: Ein Feind ALLER Völker. Und sobald sie durchschaut sind, verlieren sie automatisch einen Großteil ihrer Macht.

Ansonsten – ich will niemanden missionieren. Wer nicht wählen gehen will, aus welchen Gründen auch immer, soll es eben lassen, braucht sich dann aber auch nicht über den Status Quo zu beschweren. Wer nur jammern, aber nichts tun will, noch nicht mal zur Wahl gehen will, der hat sich freiwillig zum Werkzeug der Kartelle gemacht – denn genau das spielt ihnen in die Hände. Ob du deine Stimme der DM gibst oder nicht, ist (d)eine Entscheidung. Nicht nur für eine Partei, sondern auch, wer du sein willst. Jammerlappen oder Souverän? – Das ist hier die Frage. Für mich ist das Programm der DM authentisch und mein Engagement für diese Partei (m)eine Chance, konstruktiv an einem Modell mitzugestalten, das ich seit vielen Jahren herbeisehne.

FRIEDA: Na dann, warten wir’s mal ab. Vielen Dank für das Interview! FRIEDA verweist an dieser Stelle nochmals auf den Beitrag „Rechte und linke Ideologien“ und möchte, wenn es real schon nicht wirklich zu gelingen scheint, dass sich alle mal entspannt „an einen – zumindest virtuellen –  Tisch setzen“, hier auch andere gesundheitspolitische Sprecher/innen zu Wort kommen lassen, insbesondere mit Blick auf deren Ideen für eine wahrhaftige Reform des Gesundheitssystems. Angefragt per mail wurde bereits bei Harald Weinberg (Die LINKE) und bei Maria Klein-Schmeink (Bündnis 90/Die Grünen), bei Jens Spahn, (CDU), Prof. Dr. Karl Lauterbach, (SPD), AfD-Fraktion Sachsen, Susanne Schneider, (FDP), Franz Stangl, (Pressesprecher CSU), Peter Mendelsohn, (Die Partei), Dieter Kirschmann, (PDV), Stefan Körner, Vorstand der Piratenpartei. Denn Pressefreiheit sollte schließlich beinhalten, dass Kontroversen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden dürfen und sollten!

Quelle: http://frieda-online.de/ethik-in-der-politik/